Was Falten im Stoff dir über die Passform verraten

Gutsitzende Kleidung zu finden ist gar nicht so einfach. Wenn es an den Schultern passt, passt es nicht an der Taille oder andersherum und es schlägt Falten. Jeder Mensch ist anders und daher sitzt jedes Kleidungsstück auch unterschiedlich. Umso schöner ist es, wenn du dir deine Kleidung auf deine eigenen Maße konstruieren und nähen kannst. Allerdings solltest du wissen was gutsitzende Kleidung ausmacht und wie man Probleme erkennt.

Mach dich mit dem Stoff vertraut

Als aller erstes solltest du dich mit dem Stoff, mit dem du arbeiten möchtest, vertraut machen. Nimm ihn in die Hand, fühle ihn und schau dir an, wie er fällt. Mit der Zeit bekommst du ein Gespür dafür, wie sich der Stoff mit deinem Schnittmuster verhalten wird. Dafür brauchst du Zeit, Geduld und eventuell auch mehrere Probestücke. Also gib nicht auf.

Regeln für die perfekte Passform

Es gibt leider keine bestimmten Regeln für die perfekte Passform, aber das ist gar kein Hindernis. Denn allein anhand von Falten kannst du schon ganz schnell erkennen, was das eigentliche Problem ist.

Zugfalten = zu eng

Einen waagerechten Zug im Stoff werden Zugfalten genannt. Normalerweise entspringen sie an der Stelle, an der das Problem liegt. Zugfalten zeigen dir, dass dein Kleidungsstück entweder zu eng ist oder für eine Rundung zu wenig Dreidimensionalität besitzt. Diese Art von Falten können bei jedem Kleidungsstück auftreten und auf eine falsche Passform hinweisen.

Hier ist es zu eng im Brustbereich.

Falten | einfach nähen lernen - Tipps und Tricks rund ums Nähen für Anfänger und Fortgeschrittene

Senkrechte Falten = zu weit

Diagonale bzw. senkrechte oder waagerechte Falten zeigen dir an, an welcher Stelle zu viel Stoff vorhanden ist. Diagonale oder senkrechte Falten zeigen dir zu viel Weite, waagerechte zu viel Länge an.

Hier ist zu viel Weite oberhalb der Taille.

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Waagerechte Falten = zu lang

Hier ist es zu lang am Rücken oberhalb der Taille.

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Beachte allerdings, dass Falten dir nicht die Problemstelle direkt zeigen. Zum Beispiel wenn ein Shirt in der Taille Falten wirft, kann es entweder zwischen Achselhöhle und Schulter oder zwischen Achselhöhle und Taille zu lang sein.

Mit diesen kleinen Tipps und Tricks hast du eine gute Grundlage für gutsitzende Kleidung. Experimentiere einfach selbst ein bisschen und du wirst sehen wie viel Spaß es macht die Schnittmuster auf deine eigene Figur anzupassen oder sogar selbst zu erstellen.

 Viel Spaß beim Nachmachen!

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Schnittmuster ganz leicht um eine Größe vergrößern oder verkleinern

Schnittmuster vergrößern / verkleinern | einfach nähen lernen - Tipps und Tricks rund ums Nähen für Anfänger und Fortgeschrittene

Kennst du das auch? Du siehst ein ganz tolles Schnittmuster und willst sofort loslegen… doch deine Größe fehlt? Vielleicht bist du besonders schmal gebaut oder hast eine kurvige Figur? Nicht verzagen – mit meiner Anleitung kannst du das Schnittmuster mit einem Stift und Geodreieck um eine Größe vergrößern oder verkleinern.

Eines vorab: Dieser Trick funktioniert leider nicht mit allen Schnitten. Voraussetzung ist, dass die Markierungen und Knipse der einzelnen Größen so übereinander liegen, dass Sie mit einer geraden Linie verbunden werden können. Wie das funktioniert, erkläre ich dir jetzt!

Nice to know: Für Schnitt bis Größe 46 werden die Schnitte mit 4 cm gradiert, ab Größe 46 unterscheiden sie sich dann in 6 cm. Deshalb ist es nicht machbar, eine 42 in eine 48 zu verwandeln – die Passform würde sich sonst zu stark verändern.

Daher eignet sich meine Technik nur für Vergrößerungen oder Verkleinerungen am Schnittmuster für 1 bis max. 2 Größen.

Schnittmuster festlegen und Größe bestimmen

Ich habe mein eigenes Schnittmuster für das Shirt „Fanèla“ benutzt. Hier sind Größen von 34 – 54 möglich und ich möchte nun auf Größe 56 vergrößern.

Dazu fange ich mit dem Ärmel an und lege alles bereit.

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Markierungen verbinden

Beginne mit den Kugelenden bzw. -anfängen und zeichne hier jeweils eine gerade Linie.

Anschließend wendest du dieses Prinzip auch den den anderen Markierungen bzw. Knipsen an. Lege das Geodreieck so, dass alle Punkte durch eine Linie verbunden werden können. Zeichne mit deinem Stift diese Linie auf.

Schnittmuster vergrößern / verkleinern | einfach nähen lernen - Tipps und Tricks rund ums Nähen für Anfänger und Fortgeschrittene
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Schnittmuster vergrößern

Nun folgt der eigentliche Sinn deiner Vorarbeit: Du vergrößerst (oder verkleinerst) dein Schnittmuster!

Miss hierzu in regelmäßigen, kurzen Abständen den Abstand zwischen der vorletzten und letzten Größe und übernehme diesen dann für deine neue Größe. Am leichtesten geht das, indem du das Geodreieck mit der „0“ auf die letzte Größe legst, dann seitlich den Abstand abliest zur vorletzten Größe und diesen dann als neue Größe überträgst auf die andere Seite.

Schnittmuster vergrößern / verkleinern | einfach nähen lernen - Tipps und Tricks rund ums Nähen für Anfänger und Fortgeschrittene

Wenn du die Punkte gesetzt hast mit deinem Stift, kannst diese dann wieder als gerade Linie verbinden.

Bei der Armkugel funktioniert alles dann ähnlich. Miss auf dieselbe Weise und setze regelmäßig die Punkte über der letzten Größe (bzw. unter der ersten).

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Mein Tipp: Nutze ein Kurvenlineal, um die Punkte anschließend auf dem Schnittmuster zu verbinden.

Und schon: FERTIG!

Du kannst diese Technik auf alle Teile deines Schnittmusters anwenden – was du auch unbedingt tun solltest, damit später alles größengerecht passt.

Viel Spaß beim Nachmachen!

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7 Hilfsmittel zur Änderung von Schnittmustern, die du unbedingt haben musst

7 Hilfsmittel zur Schnittanpassung | Schnitterstellung | einfach nähen lernen - Tipps und Tricks rund ums Nähen für Anfänger und Fortgeschrittene

Zum Anpassen von deinen Lieblingsschnittmustern gibt es einige Hilfsmittel, die unheimlich praktisch sind und dir die Arbeit sehr erleichtern können. Natürlich gibt es die Utensilien in unterschiedlichen Ausführungen, da musst du selbst einfach mal ausprobieren und schauen, was für dich das Beste ist.

Schneiderwinkel

Mit dem Schneiderwinkel kann man super große Kurven und auch Längen zeichnen. Meistens gibt es diese aus Metall oder Plastik. Auch wenn der Schneiderwinkel aus Plastik preiswerter ist, würde ich dir auf lange Sicht einen aus Metall empfehlen. Er ist robuster und geht beim Transport nicht so schnell kaputt.

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Kurvenlineale

Kleine Kurven lassen sich gut mit solchen Kurvenlinealen zeichnen. Diese liegen besser in der Hand und man kann sie dank der Größe super hin und herschieben. Für Kleinschnitte z.B in 1:4 sind diese perfekt geeignet, für Schnittkonstruktion und -abänderungen in groß nicht unbedingt erforderlich, für einige Sachen aber durchaus hilfreich.

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Geodreieck

Ein „Muss“ bei deinen Materialen ist das durchsichtige Geodreieck. Bei vielen Stellen im Schnittmuster musst du auf einen rechten Winkel achten und ist daher nicht wegzudenken.

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Maßband

Was natürlich auf gar keinen Fall fehlen darf, ist ein Maßband. Es ist immer wieder hilfreich zum Messen von großen und kleinen Strecken im Schnittmuster und sollte unbedingt zu deinen Arbeitsmitteln zählen.

Dabei empfehle ich dir ein Maßband mit Haken und Lochung. Das ist auch beim Ausmessen deines Körpers sehr praktisch, denn mit Hilfe von Haken und Lochung kannst du eine Strecke, z.B die Taille, feststecken ohne dass eine zweite Person das Maßband mit den Händen festhalten muss. Dadurch verrutscht es weniger und du kannst dich auf andere Strecken konzentrieren. Das Messergebnis wird so viel genauer.

Papierschere

Daher, dass du bei deinem Schnittmuster meistens mit Papier arbeitest, benötigst du natürlich eine gute und scharfe Papierschere. Hier kannst du ganz individuell schauen welche dir gefällt und welche Größe dir gut in der Hand liegt. Ich nehme hierfür gerne ausrangierte Stoffscheren. Also solche, die zum Stoffschneiden zu stumpf geworden sind, denn für Papier reichen sie noch alle Male.

Blei- und Buntstifte

Angespitzte Blei- und Buntstifte sollte immer zu deinen Materialien zählen. Feine Linien ermöglichen dir genaues Messen und sparen dir später viele mühselige Korrekturen. Es kommt durchaus vor, dass man irgendwann den Überblick im Schnittmuster verliert. Daher ist es hilfreich sich die richtigen Linien und Passpunkte mit bunten Stiften zu markieren.

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Kleber

Zuletzt sollte unbedingt Kleber zu deinen Utensilien zählen. Schaue einfach mit welcher Art von Kleber du am besten arbeiten kannst. Ich arbeite gerne mit durchsichtigem Klebeband (gerne auch sehr breites für Pakete) oder flüssigem Kleber, der sich später wieder wegrubbeln lässt (zB. Fixogum). Dieser ermöglicht es dir, das geklebte Schnittmuster zur Not noch einmal ganz einfach auseinander zu nehmen und zu korrigieren.

Die aufgelisteten Hilfmittel kannst du u.a. bei Amazon hier bekommen:

Schneiderwinkel*
kleine Kurvenlineale*
Kurvenlineal für Armloch, Armkugel, Schulter und Hals*
Geodreieck*
Maßband mit Lochung und Haken*
Fixogum*

Ich wünsche dir jetzt viel Spaß beim Abändern deines Schnittes und drücke dir ganz fest die Daumen, dass du dir schon ganz bald perfekt sitzende Kleidung nähen wirst.

Viel Spaß beim Nachmachen!

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