HOCHWASSERHILFE
IM AHRTAL

Im Juli 2021 ereignete sich im Ahrtal und umgrenzenden Regionen eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Innerhalb weniger Stunden stiegen die Pegelstände der Ahr und anderer Wasserläufe so hoch, wie es niemand sich je hätte vorstellen können. Häuser standen unter Wasser oder wurden von den Fluten ganz weggerissen. Straßen, Brücken, Kanalisation, die ganze Infrastruktur wurde zerstört. Allein an der Ahr starben mindestens 133 Menschen. 

HILFE VOR ORT

Mittlerweile sind die öffentlichen Hilfsorganisationen abgezogen, da offiziell keine Katastrophenlage mehr vorherrscht. Für die Menschen vor Ort ist es aber noch lange nicht vorbei.

Auch wenn von außen alles wieder halbwegs normal aussieht, es gibt immer noch ganz viele Häuser, wo sogar noch der Schlamm im Keller steht und bislang noch gar nichts unternommen worden ist. Wenn dort nicht ganz bald etwas passiert, fangen diese Häuser an zu vergammeln. Und ist der Schimmel erst einmal ins Mauerwerk gezogen, ist das Haus nicht mehr zu retten und muss abgerissen werden.

Deswegen ist es sehr wichtig, dass den Menschen dort immer noch kräftig geholfen wird. Sei es durch Geld- oder Sachspenden oder direkt mit den Händen vor Ort. 

DACHZELTNOMADEN

Viele freiwillige Helfer waren und sind immer noch im Ahrtal. Eine Gruppe davon sind die Dachzeltnomaden. Das ist ein bunter Haufen von Menschen, die begeisterte Dachzeltcamper sind und sich auf unterschiedlichen Social Media Plattformen zu dieser Leidenschaft austauschen oder auch regelmäßig Treffen veranstalten. Kurz nach der Flut haben sie entschieden, in die Eifel zu kommen und mit anzupacken – und sind seitdem geblieben. Mit ihrer offenen Art haben sie es geschafft, andere Menschen zu bewegen, ebenfalls zu helfen – ob mit Spenden oder reiner Man-/Woman-Power vor Ort. Hauptsächlich werden Häuser entkernt, damit sie trocknen können. Der Putz muss von den Wänden, der Estrich raus und zum Teil werden auch die Außenfassaden abgestemmt. Denn nur, wenn die Häuser nicht anfangen zu schimmeln, haben die Bewohner eine Chance und Perspektive, irgendwann wieder in ihr Zuhause zurück kommen zu können.

MEIN ERFAHRUNGSBERICHT

Die Bilder von der Flut haben mich weit weg im Urlaub erreicht und fassungslos gemacht. Ich bin am Rande der Eifel aufgewachsen und war als Kind oft in der Ahr schwimmen. Die gezeigten Bilder wollten so gar nicht mir dem übereinstimmen, wie ich die Region in meinen Kindheitserinnerungen habe. Ich wollte helfen, aber einfach nur Geld spenden an eine der großen Organisationen hat sich für mich irgendwie nicht richtig angefühlt. Wer weiß, wo das Geld ankommt, ob es nicht in den Verwaltungskanälen irgendwie hängenbleibt und überhaupt. Nach dem Urlaub bin ich ehrlicherweise davon ausgegangen, „alles ist wieder gut“ und die Hilfe wird nicht mehr benötigt. Denn in den Medien wurde nicht mehr darüber berichtet. 

Und dann habe ich über Social-Media von den Dachzeltnomaden gehört und war schockiert und beeindruckt zugleich. Schockiert, weil eben nicht „alles gut“ ist. Und beeindruckt von ihrer Arbeit, die sie dort Tag für Tag leiste. Dass sie seit Beginn an jeden Tag von Rupperath ins Ahrtal fahren und stemmen war das Zeug hält. Es ist alles organisiert. Es gibt eine große Wiese zum campen, die Verpflegung ist bestens geregelt, Werkzeug wird gestellt, die Baustellen professionell eingerichtet – man muss einfach nur kommen und mit anpacken. Genau das hat mich angesprochen und so bin ich im September für 5 Tage mit meinem Van in die Eifel gefahren und habe Putz abgestemmt, Eimer geschleppt, Schutt zusammengeräumt, Kabel getragen, Werkzeuge verteilt und einfach gemacht.

EIN GANZ NORMALER TAG

Jeden Tag fährt man auf dem Weg zur Baustelle durch eine Landschaft, die man höchstens aus dem Fernsehen in Berichten über irgendwelche Kriegsgebiete kennt. Zerstörte Häuser, Straßen, Bahnstrecken. Überall liegt Schutt und Müll herum. Und dann kommt man zu einem Haus, das an dem Tag entkernt werden soll, lernt die Menschen kennen, die dort gewohnt haben, hört ihre Geschichte, und spürt ihre Dankbarkeit, noch bevor man überhaupt mit der Arbeit angefangen hat. Nur weil man da ist.

Dann wird es laut. Den ganzen Tag laufen die Generatoren, damit die Stemmhämmer betrieben werden können. Wie Ameisen schwärmen alle Helfer aus, suchen sich „ihre“ Wand und fangen einfach an. Es ist völlig egal, wie oder wo, denn man kann ja nicht wirklich was kaputt machen. Die Arbeit ist ganz stupide. Jeder macht so viel, wie er oder sie kann. Ein Stück Putz nach dem anderen fällt von der Wand. Die Freude, wenn das Stück richtig groß ist, ist unbeschreiblich. Der Frust, weil es an einer Stelle nicht so schnell geht, ebenso.

Zwischendurch herrscht für 1/2 Stunde Ruhe an der Baustelle – Mittagessen. Es gibt Schnittchen, Getränke oder Süßigkeiten. Und nicht selten bringen auch die Bewohner des Hauses eine Kleinigkeit vorbei, um uns Danke zu sagen. Das ist sehr berührend.

Abends geht es dann zurück ins Camp. Man isst zusammen und später wird gemeinsam über den Tag gesprochen. Was war gut, was könnte besser sein, was gibt es morgen zu tun. Neue Leute werden lauthals begrüßt, abfahrende Helfer verabschiedet. Und dann fällt man früh ins Bett und schläft wie ein Stein, bevor es am nächsten Tag wieder weitergeht.

ALLE SIND GLEICH

Die Arbeit vor Ort macht was mit einem – auch mit mir. Es ist unbeschreiblich, wie gut Menschen in der Not doch miteinander umgehen können. Niemand wird beurteilt, bewertet oder in irgendeine Schublade gesteckt. Denn vor Ort sind wir alle gleich. Gleich dreckig, gleich fertig von der Arbeit und mit dem gleichen Ziel am Start: Nächstenliebe. Ja, es klingt kitschig, aber genau das ist es am Ende des Tages. Hier hilft niemand, um sich zu profilieren oder eine Gegenleistung zu erwarten. Alle, die vor Ort sind, machen das aus reiner, uneigennütziger Hilfsbereitschaft.

Wenn man mich fragt, wie die 5 Tage für mich waren, dann kann ich nur sagen: sehr, sehr schön. Das klingt erstmal verstörtend, denn man sieht in der Zeit auch viel Leid. Aber alle Bilder sind zu 100 % positiv belegt – auf verschiedenen Ebenen. Es sind die Bewohner vor Ort, die so dankbar sind, wieder einen Perspektive zu bekommen, denn alleine ist der Berg an Arbeit einfach nicht zu schaffen. Man sieht, wie viel man schaffen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Das WIR zählt!

Es ist aber auch die Arbeit selbst, die den Kopf frei macht, weil man in dem Moment am Hammer komplett abschaltet. Aktuelle private Themen spielen überhaupt keine Rolle. Oder die aktuellen Probleme der Welt – man blendet sie einfach aus und kommt ein Stück weit innerlich zur Ruhe. Vieles wird auch plötzlich so unwichtig. Welches Waschmittel ist jetzt das beste? Welcher Nagellack hält besser? Hast du das schon von dem und dem gehört? Es ist einfach egal! 

Über meine Erfahrungen habe ich jeden Tag auf Instagram berichtet. Hier in diesem Video kannst du dir noch einmal alles anschauen und miterleben, wie es mir ergangen ist.

Die Hilfe vor Ort war für mich Wellness für Körper, Geist und Seele, für das andere viel Geld ausgeben. Deshalb steht schon fest: ich komme wieder!!!

 

MÖCHTEST DU HELFEN?

Wenn auch du helfen möchtest, dann kannst du das auf unterschiedliche Weise tun: